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Schleswiger Nachrichten vom Mittwoch 15. August 2018

Lesen ist nicht nur Mädchensache - Über 100 Kinder nehmen am diesjährigen Ferienleseclub der Stadtbücherei teil

Inzwischen seien es 100 Kinder, die am Ferienleseclub teilnehmen, sagt Petra Herzig von der Stadtbücherei Schleswig stolz und freut sich darüber, dass so viele Kinder in den Ferien lesen. „Lesen soll Spaß machen“ lautet das Motto. Jeder Teilnehmer bekommt ein eigenes Logbuch, und für jedes gelesene Buch wird nach einer kurzen Befragung zu den Inhalten ein Stempel vergeben. Ab einem Buch gibt es ein Zeugnis in Bronze, ab drei Büchern Silber und ab sieben Gold. Jeder, der mindestens ein Buch erfolgreich gelesen hat, ist eingeladen zur Abschlussparty am 31. August und darf sogar ein bis zwei Gäste mitnehmen. Das soll zum Lesen motivieren.

Einige Deutschlehrer lassen die Teilnahme sogar in die Note einfließen. Dieses Jahr gibt es außerdem viele Neuanmeldungen.  Dass Lesen nicht nur Mädchensache ist, beweisen Lasse Daus und Eren Uzun. Lasse ist elf und kommt aus Schleswig. Nach den Sommerferien beginnt er die fünfte Klasse. Er ist seit diesem März Mitglied in der Bücherei, weil es so „viel günstiger ist, Bücher zu lesen“. Jedes mal ein Buch neu zu kaufen, sei schließlich ganz schön teuer. Er hat über seine Deutschlehrerin zum Ferienleseclub gefunden und macht zum ersten Mal mit. Am liebsten liest er Mangas und freut sich, dass die Bücherei eine so große Auswahl davon hat. Ansonsten mag er auch die Reihe „Gregs Tagebuch“ sehr gerne.

Das ist wenig verwunderlich, denn laut Herzig steht das Buch ganz oben auf der Hitliste. Bis jetzt hat Lasse ein Buch gelesen, möchte aber gerne noch versuchen, Gold zu erreichen. Wenn er nicht gerade liest, spielt er Fußball oder geht ins JUZ. „Lesen macht Spaß“, sagt er zum Abschluss und erfüllt damit das Motto des Ferienleseclubs voll und ganz.

                                 

Eren ist ein großer Fan von "Gregs Tagebuch"Der neunjährige Eren kommt ebenfalls aus Schleswig. Er ist angehender Viertklässler und auch zum ersten Mal dabei. Lesen hat ihm schon immer viel Spaß gemacht, und deswegen freut er sich besonders über den Ferienleseclub, weil er dort einem seiner Lieblingshobbies nachgehen kann und dafür sogar noch eine Belohnung bekommt. Er liest schon seit er klein ist, anfangs noch zusammen mit seiner Mutter, später dann alleine. Auch er hat bis jetzt ein Buch gelesen. Auf die Frage, was denn sein Ziel sei, antwortet er: „Silber reicht.“

Lustig und spannend soll es sein. Er guckt einfach, wie viele Bücher er noch schafft, möchte aber so viel wie möglich lesen. Auch er ist Fan der Reihe „Gregs Tagebuch“. Da passt es natürlich gut, dass er als Teilnehmer des Ferienleseclubs als einer der Ersten den neuen Teil lesen darf. Generell mag er lieber lustige Bücher, aber ab und an darf es ruhig ein bisschen spannend sein.

Meistens weiß er schon genau, was er will, wenn es in die Bücherei geht, aber er lässt sich trotzdem auch gerne zum Gucken verleiten. Wenn er nicht gerade liest, geht er gerne schwimmen, spielt Handball oder ist mit den Pfadfindern unterwegs. „Ich freu mich schon auf die Party“, sagt er am Ende.

Nele Kuhn

 

Herzlich willkommen

                       in der Stadtbücherei Schleswig

Wir haben viele Seiten!

Lesebereiche für Kinder und      Erwachsene
Internetarbeitsplätze, Online-Katalog und      viel Lesestoff

 

Jedes Kind muss Lesen lernen!

 

Online-Petition von Kirsten Boie

Hamburger Erklärung:

"Seit dem vergangenen Dezember wissen wir: Knapp ein Fünftel der Zehnjährigen in Deutschland kann nicht so lesen, dass der Text dabei auch verstanden wird (18,9%, Internationale IGLU-Studie 2016). Im internationalen Vergleich ist Deutschland damit seit 2001 von Platz 5 auf Platz 21 aller beteiligten Länder abgerutscht und liegt unter dem EU- wie dem OECD-Durchschnitt. Zudem ist Deutschland das Land, bei dem das Ergebnis am stärksten von der sozialen Herkunft abhängt. Wer nach der Grundschulzeit nicht sinnentnehmend lesen kann, wird es in den weiterführenden Schulen nicht lernen. Denn hier wird Lesen nicht mehr gelehrt, sondern vorausgesetzt.

Lesen ist noch immer DIE Schlüsselqualifikation für die Teilhabe an der Gesellschaft. Die betroffenen 18,9 % der Kinder werden einmal unsere Erwachsenen sein. Neben den Folgen, die eine fehlende Lesefähigkeit für jeden Einzelnen von ihnen haben wird, sind auch die Folgen für die Gesellschaft insgesamt erschreckend. Ohne die Möglichkeit, einen qualifizierten Beruf zu erlernen, werden die meisten dieser Menschen vermutlich jahrzehntelang auf staatliche Unter- stützung angewiesen sein. Umso wichtiger, dass JETZT in die Bildungspolitik investiert wird.

Die 16 Länder, die Deutschland im Ranking seit 2001 überholt haben, beweisen, dass und wie es möglich ist, die Lese- fähigkeit aller Kinder signifikant zu steigern. Ein Land wie Deutschland, dessen wichtigste wirtschaftliche Ressource ein hoher Bildungsstand seiner Bevölkerung ist, kann das Thema nicht länger marginalisieren. Der Verweis auf gewachsene Probleme in der Schülerschaft reicht nicht aus. Auf die Analyse muss die Lösung folgen, und diese Lösung darf nicht länger an Elternhäuser und Ehrenamtliche delegiert werden. Nur die Schule erreicht wirklich alle Kinder.

Die Unterzeichner fordern die Politik in allen Bundesländern, die Bundesministerin für Bildung und Forschung, die Kultus- ministerkonferenz und die Bildungsminister aller Bundesländer daher dazu auf, für folgende Punkte Sorge zu tragen:

• Das Lesenlernen und Lesen muss sehr viel stärker in den Fokus der Bildungspolitik rücken.

• An den Grundschulen müssen frühzeitig Fördermaßnahmen in Kleingruppen eingeführt werden, die sich auf die reichlich vorliegenden Erkenntnisse der Leseforschung und die Erfahrungen der Lehrer stützen.

• Diese Förderstunden dürfen nicht für Vertretungsunterricht zweckentfremdet werden.

• Es müssen ausreichend Grundschullehrer eingestellt werden, um dieses Ziel umzusetzen. Das heißt: An den Hochschulen müssen deutlich mehr Studienplätze für die Lehrerausbildung geschaffen werden.

• Es muss Schulbibliotheken, Lesungen und Lektüreprogramme gerade auch an solchen Schulen geben, deren Schülerschaft eher bildungsfern ist. Die Lektüre altersgerechter Bücher vermittelt die Fähigkeit, komplexere Zusammenhänge aus längeren Texten zu entnehmen. So kann man später zum Beispiel Zeitungsartikel lesen und verstehen.

• Für all diese Zwecke müssen jetzt genügend Mittel in den Haushalten ausgewiesen werden. Das Lesen darf nicht den derzeitigen (kosten)intensiven Bemühungen um die Digitalisierung der Schulen zum Opfer fallen.

Unverbindliche Absichtserklärungen reichen nicht mehr aus. Deutsche Grundschulen müssen es schaffen, alle Kinder das Lesen zu lehren!"

 

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