Sprungziele
Inhalt

Bibliothek der Dinge

Beamer aus der Bücherei

Die mobile Bibliothek der Dinge verleiht Alltagsgegenstände, die nicht jeder hat: Mikro, Akkuschrauber, Nähmaschine und mehr.

Auf dem großen, niedrigen Tisch liegen zwei Mikrofone mit Kabel und Klinkenstecker, eine Lochzange, ein Mini-Akkuschrauber, eine Spiele-Konsole (Super-Nintendo), eine winzige Handnähmaschine, ein Schwungtuch, ein Beamer mit Koffer, eine Ukulele, eine Slackline, eine Ballpumpe, ein kleiner Bluetooth-Lautsprecher und eine Faszienrolle. „Die Strickliesel ist gerade unterwegs“, sagt Petra Herzig, Leiterin der Stadtbücherei.

38.000 physische – also nicht digitale oder virtuelle – Medien hält die Bibliothek für ihre Besucher und Kunden bereit, darunter Bücher, Zeitschriften, CDs, DVDs, Hörbücher und Videospiele. Doch das ist längst nicht alles, was man aus der Bibliothek am untersten Ende der Moltkestraße mitnehmen und wieder zurückbringen kann.

Neuester Clou des einstigen Bücherhauses ist die „Mobile Bibliothek der Dinge“, also quasi eine Ausleihstation für Alltagsgegenstände, die man manchmal benötigt, aber die längst nicht jeder hat. Das Sammelsurium an Hilfsmitteln für den Alltag hat Petra Herzig nicht etwa selbst im örtlichen Einzelhandel angeschafft, sondern aus Flensburg bekommen. Die Büchereizentrale Schleswig-Holstein hat sieben Kisten auf die Reise durch Schleswig-Holsteins Büchereien geschickt, und eine der ersten Stationen ist Schleswig. „Die Bücherei ist per se ein Ort der Nachhaltigkeit“, sagt Petra Herzig. Die Menschen leihen sich dort Sachen, statt sie zu kaufen, und später werden diese Dinge – bisher meist Bücher – von anderen genutzt.

„Gefördert durch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur mit insgesamt 12.060 Euro hat das Lektorat der Büchereizentrale sieben Sets zusammengestellt, die künftig als Austauschbestände von Büchereien im ganzen Land genutzt werden können“, teilt die Büchereizentrale mit. Jedes Set umfasst 13 bis 14 unterschiedliche Geräte und Utensilien. Ergänzt wird die Auswahl durch zwei Medienpakete zum Thema „Sharing und Nachhaltigkeit“. Die Idee der Bibliothek der Dinge stammt aus den USA und sorgte dort vor rund fünf Jahren erstmals als „library of things“ für Aufmerksamkeit.

Petra Herzig erzählt eine Geschichte aus Schweden: Der Hausmeister einer Bücherei kam mit seinem Werkzeug, um etwas zu reparieren und wurde dabei von Besuchern beobachtet. Schließlich wurde er angesprochen. „So eine Bohrmaschine bräuchte ich auch“, sagte jemand. „Kannst du mir die mal leihen?“ Es ist nicht überliefert, ob der Hausmeister seine Bohrmaschine direkt ausgeliehen hat – aber die Idee war geboren und die Geschichte nahm ihren Lauf.

Die Schleswiger Bücherei unter ihrer Leiterin Petra Herzig hat ihr Angebot schon seit längerem erweitert. So gibt es zwei Beutelbäume – schön geschliffene Ständer aus Totholz mit Edelstahl-Aufhängern für Baumwolltaschen. „Wenn ein Besucher seine Tasche für die Bücher vergessen hat, kann er hier eine ausleihen.“ Auch gelbe Säcke gibt es in der Bücherei und Saat für den Garten. (Artikel vom 10.10.2020 Schleswiger Nachrichten)

 

Autor: Joachim Pohl 
Quelle: Schleswiger Nachrichten 
nach oben zurück