Buchvorstellung

Schleswiger Nachrichten vom 31.03.2018

Senior-Studenten erzählen ihr Leben

Sammelband der Kieler Universität in der Schleswiger Stadtbücherei vorgestellt

Schleswig | Erinnerungen spielen in dem Sammelband mit dem Titel „Das hat was!“ zwar die Hauptrolle; dennoch haben die Schilderungen und Erzählungen der 18 Autoren wenig mit dem „Wisst Ihr noch?“ eines Klassentreffens nach 50 Jahren zu tun. Hier gehe es vielmehr um den „forschenden Blick auf das eigene Leben“, erklärte die Herausgeberin Elke Mahnke bei der Buchvorstellung in der Stadbücherei. Dies hätten ihre Seminarteilnehmer im Rahmen des Kontaktstudiums für Ältere an der Kieler Christian-Albrechts-Universität unter dem Blickwinkel von Psychologie, Soziologie und Philosophie herausgearbeitet. Die folgenden Lesungen der Autoren wirkten keineswegs wissenschaftlich nüchtern, sondern waren von Lebenserfahrung und auch menschlicher Wärme – manchmal mit einer Portion Augenzwinkern – gekennzeichnet.

In die Stadtbücherei geholt wurde die Veranstaltung von der früheren Sozialpädagogin Heinke Fritzsche Jordan. Sie arbeitete ab 1985 im damaligen Landeskrankenhaus und ist heute eine ebenso begeisterte Büchereinutzerin wie auch Seminarteilnehmerin in Kiel. Seit mehr als 16 Jahren lebt sie in Schleswig – „und ich habe das Gefühl, angekommen zu sein“, schreibt sie in ihrer biografischen Reflektion. Anschließend trug Fritzsche Jordan Passagen aus dem Buchbeitrag von Okka Wormeck vor, einer ehemaligen Diplompädagogin. Wormeck schildert, auf welche Weise sie sich von Literatur anrühren ließ. Autoren wie Hermann Hesse, Tiziano Terzani, sowie Alice Miller, Simone de Beauvoir oder Astrid Lindgren spielen auf ihrer Lebensbühne mit.

Klaus Georg, Jahrgang 1949, befasst sich unter dem Leitgedanken „Das Gute an schlechten Zeiten“ in lockerer Form mit dem Essen. So lebten viele Menschen Ende der 40er Jahre wortwörtlich „von der Hand in den Mund“, sie bauten also selber an, was so gebraucht wurde; auch den Tabak, fügte der frühere Marineoffizier und Fluglotse ironisch hinzu. Und Georg erinnert sich, dass damals von einem Tier oder Lebensmittel möglichst alles verwendet wurde, also auch Schweineohren und -füße.

Birgit Bicker, ehemalige Fremdsprachenkorrespondentin, fasste den Sinn der Biografiearbeit in ihrem Beitrag zusammen: „Es ist aufregend, sich selbst neu kennenzulernen. Es bedeutet auch, eine einfühlsame und verstehende Haltung gegenüber sich selbst zu entwickeln.“ Hans-Peter Scheibel

Bei der Buchvorstellung: (von links) Elke Mahnke, Heinke Fritzsche Jordan, Okka Wormeck, Ursula Nielsen, Birgit Bicker, Gisela von Aderkas, Karin Rogge und Klaus Georg. Foto: hpl

 

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