Die Stadt der Bücherfreunde

Förderverein „Alibris“ will auch 2019 attraktive Angebote für Leseratten machen / Klares Statement für die Bücherei

Es ist schwer zu sagen, was für den Verein der Bücherfreunde der Höhepunkt des Jahres sein wird. Anke Carstens-Richter und Susanne Pertiet aus dem Vorstand des Vereins mit dem Namen „Alibris“ freuen sich jedenfalls jetzt schon auf die neunte Schleswiger Büchernacht am 22. Juni. Unter dem sinnigen Motto „Lieblings-Lektiere“ lesen mehrere Personen von 18 bis 24 Uhr selbst gewählte Literaturauszüge, in denen Tiere eine Rolle spielen. Im Mittelpunkt steht die Schriftstellerin Andrea Paluch.

Die Büchernacht war 2011 auch die allererste Veranstaltung des Vereins – noch vor der eigentlichen Gründung. Damit wollte man die Kommunalpolitiker auf die Notlage der Stadtbücherei aufmerksam machen, nachdem der Kreis einen Zuschuss von 90.000 Euro gestrichen hatte. „Damit wollten wir den Ratsmitgliedern zeigen, dass ganz Schleswig hinter der Bücherei steht“, sagt Susanne Pertiet, anfangs erste Vorsitzende des Vereins. „Da kamen so viele Leute, das war eine Abstimmung mit den Füßen.“

Die Stadt habe dann einen Großteil des gestrichenen Zuschusses übernommen, und der Verein half fortan mit Spenden, vor allem bei wichtigen Anschaffungen wie etwa für Möblierung, zum Beispiel Regale oder eine Sitzecke für Kinder. Eines der wichtigsten Ziele des Vereins sei es, Kinder an Bücher, Literatur und die Bücherei heranzuführen. „Da macht die Stadtbücherei richtig gute Arbeit“, sagen die beiden bibliophilen Frauen.

„Alibris“ beginnt das Jahr am kommenden Dienstag, dem Welttag des Buches, mit der Jahreshauptversammlung, bei der es jedoch nicht ganz ohne Literatur gehen kann. Die Schleswiger Autorin Margaretha Sophie bringt den Zuhörern ihre Lyrik aus dem Band „Von Muschel zu Muschel“ nahe.

Weiter geht es mit der schon zur Tradition gewordenen Krimi-Lesung im Mai. Die pensionierte Lehrerin Annette Riech aus Sörup stellt am 22. Mai ihr Erstlingswerk „Angeliter Stück“ vor. „Das ist ein Buch mit sehr viel Lokalkolorit“, verspricht Anke Carstens-Richter.

Es wird heutzutage viel zu wenig vorgelesen, finden die beiden „Alibris“-Frauen. Darum ist Schleswig am 15. November beim bundesweiten Tag des Vorlesens dabei. Und das geschieht an ungewöhnlichen Orten, an denen üblicherweise sonst nicht viel vorgelesen wird – vielleicht in einer Einkaufspassage, auf einem Dachboden oder in einer Schwimmhalle. Schließlich gestalten Susanne Pertiet und Anke Carstens-Richter gemeinsam die Adventslesung am 4. Dezember in der Stadtbücherei.

Und was lesen die Bücherfreundinnen und Bücherei-Förderer derzeit selbst? Anke Carstens-Richter ist ganz begeistert von Juli Zehs Opus magnum „Unterleuten“, ein Buch, das wie kaum ein anderes die Wirklichkeit zu Beginn des 21. Jahrhunderts in Deutschland abbildet und reflektiert.

Susanne Pertiet ist fasziniert von dem Buch „Ich und die Anderen“, in dem die Philosophin Isolde Charim die Frage stellt, was die Pluralisierung der Gesellschaft mit dem Einzelnen macht. Und Margarethe Sophie hat sich ein frühes Werk des bekannten japanischen Schriftstellers Haruka Marukami vorgenommen: „Kafka am Strand“. Es gehe nicht um den gleichnamigen Schriftsteller mit Vornamen Franz, betont die Autorin mit der auffälligen grünen Perücke.

Dass die Bücherei mittlerweile viel mehr als eine Einrichtung zum Ausleihen von Büchern ist, möchte der Verein ebenfalls betonen und weiter verbreiten. „Sie ist ein Versammlungsort, ein Ort, wo man Zeitung liest und andere Menschen trifft, auch bei unseren Lesungen“, erklärt Carstens-Richter.

In der aktuellen Standort-Diskussion haben die beiden Frauen eine klaren Standpunkt: „Klar, dass die Bücherei am Zob besser aufgehoben wäre“, sagt Susanne Pertiert. „Erstens ist sie dort noch zentraler. Zweitens kann man sie nutzen, wenn man auf den Bus wartet.“

(Joachim Pohl, Schleswiger Nachrichten)